HÄRLE AKTUELL

"Erzeuger mit Leib und Seele"

Der nachfolgende Artikel erschien am 28. September 2008 in "Sonntag Aktuell", der großen Sonntagszeitung für Baden-Württemberg:  
 
Aber gewiss doch sei Bier ein politisches und gesellschaftliches Thema. Gottfried Härle muss über die Frage nicht lange nachdenken. "Während die Konzerne immer größer werden und die Global Player den Weltmarkt untereinander aufteilen, sind und bleiben wir der Region verbunden", sagt der Chef und Inhaber der Leutkircher Brauerei Clemens Härle, Gottfried Härle.
Es sei Ehrensache und gehöre zum Selbstverständnis, die regionale Wertschöpfung zu fördern. Die Rohstoffe kämen ausschließlich aus der Umgebung, der Hopfen beispielsweise aus Tettnang, die Braugerste aus Oberschwaben.  

Qualität ist bei den Überlegungen Trumpf. Der Brauerei-Besitzer räumt ein, dass die Kostenstruktur in seinem und ähnlich geführten Betrieben womöglich nicht die beste sei. Doch sei er stolz auf die hervorragenden Rohstoffe. Einen besseren Hopfen als den Tettnanger gebe es ohnehin nicht.  

"Mit den Landwirten und den Wirten arbeiten wir eng zusammen", so Härle. Das sichert einerseits deren Existenz, ist zugleich aber auch Existenzgrundlage für die Brauerei, denn zwischen dem Allgäu und Oberschwaben ist nicht nur die Bierwelt noch in Ordnung. Mehr noch, die Menschen legen auch großen Wert auf heimisches Bier. Kein Wunder insofern auch, dass Härle wie auch die anderen "Brauer mit Leib und Seele", so ein Verbund kleiner, inhabergeführter Brauereien in Baden-Württemberg, entschieden gegen Gentechnik eintreten.  

Dazu haben sie im vergangenen Jahr bei ihren Kunden sogar eine Unterschriftenaktion organisiert, die auf großen Widerhall stieß. Neben ethischen und gesundheitlichen Bedenken führt Härle auch hier wieder die regionale Wertschöpfung ins Feld: "Wenn die Bauern von wenigen Agrarkonzernen abhängig gemacht werden, dann sind wir's mit ihnen bald ebenfalls. Wir wollen aber nicht von Monsantos Gnaden produzieren", erläutert der Brauer und benennt stellvertretend einen der mächtigsten Saatgutmultis der Welt.  

Für das Bier aus der Region sprächen aber auch ökologische und klimapolitische Erwägungen. Kurze Transportwege - weniger Schadstoffemissionen. Auch am Mehrwegsystem halten die Brauer mit Leib und Seele eisern fest. Eine Flasche wird so durchaus sechzig- bis siebzigmal befüllt. Untersuchungen zeigten immer wieder die weitaus bessere Ökobilanz.  

Seine eigene Brauerei hat in mancherlei Hinsicht einen Pionierrolle übernommen, die freilich immer mehr Nachahmer findet. So fahren Härles Transporter schon seit bald zehn Jahren ausschließlich mit Biodiesel. Seit wenigen Monaten liefert ein betriebseigenes kleines Hackschnitzelkraftwerk die gesamte Energie für Sudhaus und Flaschenreinigung. Der Verbrauch von 120 000 Liter Heizöl ist weggefallen; das Holz stammt aus heimischen Wäldern.  

Zum 1. Januar 2009 zündet Härle schließlich die dritte klimapolitische und ökologische Stufe in seinem Familienbetrieb mit rund dreißig Mitarbeitern: Von da an bezieht er den Strom von der Naturstrom AG, die ihren Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien erzeugt. Härle und zwei weitere Brauer aus dem Verbund führen zudem Öko-Biere im Sortiment. Vorrang für alle hat allerdings das Prinzip der Regionalität.  

Den Weg Gottfried Härles können derweil noch nicht alle Kollegen mitgehen, doch gibt es unter den Brauern mit Leib und Seele über andere Grundsätze vollkommene Einigkeit. Dazu zählt, das die Brauerfamilien fassbar und anfassbar sind. "Wir stehen zu unseren Produkten, wir produzieren kein anonymes Bier", unterstreicht Härle. Angesichts der weltumspannenden Prozesse, die gerade in seiner Branche im Gange sind, keine Selbstverständlichkeit.  

Und auch bei der Produktion achten die Brauer auf Naturnähe: Das Bier soll Zeit zum Reifen haben. Auf Verfahren, um das Bier länger haltbar zu machen, verzichten die meisten gleichfalls. Bier sei ein Frischeprodukt mit einer natürlichen Haltbarkeit zwischen drei und vier Monaten, betont Ulrich Zimmermann von der Berg Brauerei in Ehingen, Prost!  

Andreas Braun  

Veröffentlicht am: 23.10.2008
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